Leserstimmen zu "Ein Clown für Christus"
Dienstag, 21. Dezember 2010 - 01:17 Uhr
Zu schlecht, um nur "ärgerlich" genannt zu werden
Es handelt sich um eine flüssig geschriebene Karikatur, die sogar von Halbwüchsigen ver-standen werden kann.
Allerdings sind die Paulusbriefe nicht als zeitgenössisches Protokoll für heutige Zweifler geschrieben worden, es geht vielmehr, was heutige Zweifler nicht begreifen (wollen), um das auf uns gekommene Zeugnis einer Glaubensverkündigung (Heilsbotschaft). Diese Glaubensverkündigung des Paulus beruht auf einem übernatürlichen Erlebnis (Damaskus, Visionen , wie es auch die Auferstehung Christi ist. Hier scheiden sich seit 2000 Jahren die Geister.
Dem Autor wäre zu raten sich mit den Gepflogenheiten der antiken Literatur (Historiogra-phie, etc.Ein Clown für Christus: Die ganz andere Geschichte über Paulus und seine Zeit) in der notwendigen Tiefe auseinander zu setzen.
Dreht es sich am Ende doch nur um Auflagen und Tantiemen?
aliamana auf amazon.de
Dienstag, 21. Dezember 2010 - 01:16 Uhr
Schade ums Geld!
Mit dem, was der Begleittext des Buches wirbt, hat der Inhalt denkbar wenig zu tun!
Einen sehr(zu) breiten Raum (etwa 1/3 Buches) nimmt die Schilderung des heidnischen Kultes der Großen Mutter ein. Ebenso wichtig" ist D. Trobisch die ausführlich geschilderte Liebesgeschichte des Sklaven Titus mit der Sklavin Talitha, einschließlich Eifersuchtsproblemen, Vergewaltigung...
Wichtige Figuren aus der Bibel werden ausschließlich negativ dargestellt, unwichtige neutral.
Ein Clown für Christus: Die ganz andere Geschichte über Paulus und seine ZeitZitate aus dem Buch:
Paulus war verheiratet mit Hellene und Vater einer Tochter: "Herr, ihr habt mir niemals gesagt, dass ihr verheiratet seid", platzte Titus schließlich heraus. Wir haben aus steuerlichen Gründen geheiratet", sagte Paulus und grinste. S.154
Über lange Zeit war er blind, weil er Schuld am Tod dieser Tochter hatte. "Wir hatten eine kleine Tochter", flüsterte sie. Talitha hielt Hellene fest im Arm. Die Kleine war das Ein und Alles meines Mannes. Du hättest die beiden sehen sollen! Sie waren unzertrennlich. Paulus war stolz auf seine Tochter, und sie war stolz auf ihren Vater. Wir wohnten in Damaskus. Und einmal nahm er sie mit auf eine Geschäftsreise. Nach Petra, in die Hauptstadt der Nabatäer." ... S. 176 - S. 179 "Justus (Talithas Herr) hatte damals von einem Unfall erzählt. Ein Pferd hatte gescheut, und ein kleines Mädchen war zu Tode getrampelt worden."
Paulus hatte eine Schwäche für junge Männer: Paulus hat eine Schwäche für schöne junge Männer", wechselt Hellene unvermittelt das Thema. Sie erregen ihn. Und das stört ihn ganz gewaltig. Timotheus zum Beispiel. Und ist dir aufgefallen, wie Paulus Silvanus jedes Mal anfasst, wenn sie sich treffen? Ich meine, wie er sein Gesicht abtastet, ihn auf den Mund küsst, ihn viel zu lange im Arm hält." ... Du meinst, Paulus hätte eine Schwäche für Männer?", fragte Thalita nach. Er redet nicht gerne darüber. Und wenn, dann sagt er Sachen wie: Mein Geist sagt Nein, mein Körper sagt Ja. Das, was ich will, das tu ich nicht, und was ich nicht will, das rue ich." ...Helene: Manchmal spricht er vom Dorn im Fleisch, eine Strafe, die Gott ihm auferlegt hat, damit er nicht überheblich werde. Ich frage dich: Den Penis als Dorn zu bezeichnen ist doch krank, und wie soll ich mir als seine Frau vorkommen?" Hellene weinte. Ich habe solch einen Hunger nach körperlicher Nähe, so viel ungestillte Sehnsüchte, und doch hat mich Gott der Herr zu einem Leben ohne Liebhaber verdammt."(S. 178)
Der Mensch Jesus war ihm nicht wichtig: "Titus: Die Leute wollen (aus deinen Briefen) etwas über Jesus erfahren." Paulus schüttelte den Kopf. Jesus! Jesus! Jesus! Wie oft muss ich es dir noch erklären: Jesus ist nicht wichtig!" S.208 -
Der Autor legt Maria diese Worte über Jesus in den Mund: "Yeshua ließ es sich gut gehen. Er hat gern gefeiert, gern gut gegessen und sich mit Freunden betrunken. Glaubt mir, er ist nicht gestorben, um Paulus zu helfen." S. 130
Paulus war ein lügnerischer Kaufmann, der seine Kunden betrügt: "...ich bin eifersüchtig, arrogant, gebe an und bin grob. Ich bestehe immer auf meinen eigenen Ansichten und trage jedem alles nach. Mir macht es nichts, anderen zu schaden, und wenn es um die Wahrheit geht - bei kilikischen Decken zum Beispiel - bin ich flexibel." (S.218)
Bewusste Fälschungen im Lukas-Evangelium, in den Paulus- und Titus-Briefen: Paulus wandte sich an Titus: Wenn ich dich in einem meiner Bücher erwähnen würde, würdest du es dann kaufen? Auch wenn du nicht lesen kannst?" - Selbstverständlich", antwortete Titus. Dann lass uns doch eine Liste zusammenstellen mit Leuten in Ephesus, die in Buch von mir kau-fen würden. Phoebe reist heute nach Ephesus ab, und ich will ihr eine Abschrift meines Briefes nach Rom mitgeben. Also, wen sollte ich namentlich erwähnen?" - Ihr werdet sicherlich die Bi-schöfe der fünf Hauptgemeinden grüßen wollen: Aquila, Aristoboulus, Narcissus, Asynkritos und...und natürlich .... ...." Als Paulus fertig war, hatte er ungefähr dreißig Leute mit Namen gegrüßt. - Und jetzt lass uns dasselbe mit Korinth machen", sagte er. Wen sollten wir erwähnen? Wer in Korinth würde ein Buch kaufen, nur weil er darin vorkommt?" S.235
ff S. 288ff:Gespräch zwischen Lucius (Lukas) und Titus: Es geht darum, über wen Titus in seinem Brief schreiben soll, damit er gut verkauft wird Wer würde solch einen Schund lesen wollen?", fragte Titus nach einer Weile. Frauen", sagte Lucius langsam. Weißt du, dass vor allem Frauen Romane kaufen? Man muss auf das Interesse der Frauen eingehen. Die Frauen in Paulus Leben taugen nicht für eine gute Geschichte: Herodias (laut David Trobisch seine Schwester) ist eine alte Jungfer, Hellene ist eine treue, aber frustrierte Ehefrau, seine Tochter wurde vom Pferd totgetrampelt. Frauen wollen nicht, dass eine Geschichte genau so schäbig ist wie ihr eigenes Leben. Paulus soll anders ein als ihre Väter, Brüder, Ehemänner. Paulus muss unabhängig sein. Ein tragischer Held, der sich völlig aufopfert, der selbstlos auf jede Beziehung zu einer Frau verzichtet, weil es ihn doch nur von seiner heiligen Pflicht abhalten würde, Christus und dem Evangelium Gottes zu dienen." Titus seufzte und schüttelte den Kopf. Frauen brauchen Frauen, mit denen sie sich identifizieren können", sagte Lucius mit Nachdruck. Euodia könnte ich beibehalten: Eine reiche Frau aus Lydien, die selbständig in Philippi ein Textilgeschäft führt und Paulus unterstützt, das ist ein Vorbild. Ich glaube, ich nenne sie Lydia. Es ist leichter, sich mit Nebenfiguren zu identifizieren, glaubst du nicht auch, Titus?" S.285ff
ff weiter beim Thema Maria": "Wer würde solch einen Schund lesen wollen?"...In der Fortsetzung dieses schon oben zitierten Gespräches geht es dann auch um Maria ...Es ist leichter, sich mit Nebenfiguren zu identifizieren, glaubst du nicht auch, Titus?" - Und was ist mit Maria?", fragte Titus. Himmel, Herr, Gott! Niemand ist an einer senilen, gehbehinderten, zahnlosen Heldin interessiert! Hast du dir noch nie einen Liebesroman vorlesen lassen?" S. 288
Paulus stammte angeblich nicht aus Tarsus: Bist du je in Tarsus gewesen, Paulus?" - Nur einmal, auf der Durchreise." S.89
Er war kein römischer Bürger, wurde erst durch Fälschung dazu gemacht. S.287
Barnabas wird ausschließlich negativ dargestellt, als Grobian, der sich maßlos betrank und dessen unanständige Witze und lautes Lachen anderen Gästen auf die Nerven gingen." (S. 76)
Gisela Friedrich auf amazon.de
Dienstag, 21. Dezember 2010 - 01:15 Uhr
Eine erzählende Paulusabrechnung
Dieses sehr ansprechend gestaltete Buch stellt den Versuch eines ausgewiesenen Fachmanns für Paulus dar, das Leben des Apostels in narrativer Weise darzustellen. Ähnlich wie seinerzeit G. Theissen in seinem Buch "Der Schatten des Galiläers" will dieses Werk dem interessierten Leser die Welt und das Leben von Paulus auf dem Stand aktueller Forschung nahebringen - ein sehr begrüßenswerter und ansprechender Versuch.
Leider ist es bei diesem Buch nur bei einem Versuch geblieben. Und das ist umso bedauerlicher, als es sich bei David Trobisch ja um einen guten Kenner der Materie handelt. Als Professor für Neues Testament hat er im Bereich der Paulusforschung gearbeitet und gilt als Fachmann auf seinem Gebiet.
Woran liegt es, dass seine Darstellung des Paulus nicht überzeugen kann? Dass Trobisch kein Literat ist und deshalb seine Pauluserzählung eher wie ein schlichter Historienroman daherkommt, kann man ihm nicht direkt zum Vorwurf machen. Zwar liest sich die Geschichte durchaus flüssig, aber die Charaktere erscheinen seltsam hölzern, geradezu klischeeartig. Etliche Gestalten sind den Paulusbriefen entnommen und in der Phantasie des Autors weiter entwickelt worden. Andere beruhen einzig auf der Fiktion des Autors, wie etwa die vermeintliche Schwester des Paulus und die Frauengestalt Talitha, von der lediglich der Name im Evangelium erwähnt wird, ohne allerdings in irgendeinem Zusammenhang mit dem historischen Paulus zu stehen.
Als Historienroman wäre dieses Buch sicher erträglich, wenn auch nicht überzeugend. Aber Trobisch will ja mehr: Er will uns die Person Paulus in seiner schillernden Ausprägung nahe bringen. Und gerade da beginnt das Problem: Von einem Wissenschaftler erwartet man in diesem Zusammenhang eine vielschichtige, an objektiven Erkenntnissen gewonnene Dastellung. Der Paulus, der uns in dem Buch "Ein Clown für Christus" begegnet, ist allerdings eine Karikatur. Ist die Apostelgeschichte des Lukas, die Trobisch für sein Buch als Quelle komplett außen vor lässt, so etwas wie eine "Heiligenlegende", ist jenes eher eine "Anti-Heiligenlegende". Während Lukas idealisiert, überzeichnet, nach Meinung aber einiger Forscher durchaus historisch Zutreffendes berichtet, ist der Paulus des David Trobisch ein narzisstischer, zynischer und mürrischer Zeitgenosse, der mit seinen jüdischen Nachbarn, vor allem aber mit sich selbst im ständigen Konflikt lebt. Auch die Mitarbeiter des Paulus erscheinen wahlweise als sauf- und sexsüchtige Pseudochristen.
Hier passiert es für meine Begriffe, dass Trobischs Darstellung eine angemessene sachliche Auseinandersetzung mit der Person des Paulus verlässt. Dies wäre noch nicht schlimm, wenn das Buch in Anlehnung an Theissens Buch nicht "erzählende Paulusforschung" sein wollte. Es erscheint vielmehr wie eine erzählende "Paulusabrechnung" und der Leser fragt sich, warum Missionarskind Trobisch den Apostel so karikiert. Wer soll da getroffen werden? Erfährt der Leser womöglich mehr über das Seelenleben des Autors als über das des Apostels?
Paulus, ein zur Aggression neigender, oft von Depressionen und Selbstzweifeln heimgesuchter, apodiktisch formulierender Eiferer für Christus - dies wäre der Stoff für eine theologisch und psychologisch ansprechende Darstellung gewesen. Allein der Titel "Ein Clown für Christus" lässt ja wirklich sehr viel Raum dafür. Aber Paulus, ein alternder Teppichhändler, der mit zweitklassiger Ware seine Geschäfte macht, und der am Ende aus Gleichgültigkeit und Desinteresse selbst nicht so richtig glaubt, was er da verkündigt? In den Briefen des Neuen Testaments begegnet mir ein anderer Paulus, ein Eiferer, vielleicht ein Getriebener, aber kein Hanswurst. Wie hätte auch dieser so dargestellte Paulus einen solchen Einfluss ausüben können?
"Ein Clown für Christus" ist eine Posse. Dies muss man sich bewusst machen und als solche ertragen. Als Leser habe ich aber das Gefühl, dass Autor und Verlag einen Etikettenschwindel betreiben. Man macht sich die nachweisliche fachliche Autorität des Verfassers zu Nutze, um ein äußerst subjektives Geschichtenbuch als wissenschaftlich fundiert an den Mann, bzw. an die Frau zu bringen. Jedenfalls macht dieses Buch dann doch noch eins: Lust auf die Originale, nicht um den Autor bestätigt zu finden, sondern um ein eigenes und differenzierteres Bild von Paulus zu entdecken. Dnn hätte es ja doch noch etwas Gutes, aber eigentlich ist es dafür doch entbehrlich.
Healing Cross auf amazon.de
Dienstag, 21. Dezember 2010 - 01:14 Uhr
Spannend und Herausfordernd
Eine sehr interessante und kurzweilige Erfahrung, dieses Buch zu lesen. Es ist ein spannender Versuch, einiges aus dem Neuen Testament und dem frühen Christentum zu erklären. Beispielsweise der Unterschied zwischen den Paulus Briefen und dem Rest des Neuen Testaments. Die Paulus Briefe haben oft so gar nicht die liebevolle Art der Evangelien und entbehren auch manches Mal nicht einer gewissen Komik. Trobischs Interpretation: In den Briefen kommt der ungeschönte Mensch zum Vorschein, so wie er nun mal ist (Paulus und jeder andere auch), während die Ausführungen ansonsten schlicht mit Blick auf Veröffentlichung und Verkauf geglättet sind, sein müssen...
Ein Großteil des Buches wird bestimmt von dem Versuch, das frühe Christentum in die religiöse Gemengelage der damaligen Zeit einzuordnen. Da sind manche Details dann doch zuviel, aber das ändert nichts an dem Gedanken, dass das Christentum nicht einfach vom Himmel gefallen ist.
Trobisch schildert Paulus als den unsicheren und gebrochenen Menschen, der er wahrscheinlich auch war. Und obwohl scheinbar mit manch vertrautem Paulus Bild gebrochen wird, so ist es doch gerade diese Gebrochenheit des Paulus, durch die die Botschaft Christi deutlich wird. Andererseits wird Paulus schon gehörig entmystifiziert, vielleicht doch etwas zu viel für meinen Geschmack - aber dann ist es ja nur ein Roman und nicht der Anspruch auf letztgültige Auslegung... Es weckt jedenfalls das Interesse, sich selbst mehr mit den Paulus Briefen und Schilderungen auseinanderzusetzen, und das ist sicher nicht das Schlechteste...
Michael Menzel auf amazon.de
Dienstag, 21. Dezember 2010 - 01:13 Uhr
Zu oberflächlich
auch wenns jetzt jede Menge "nicht hilfreich" hagelt:
mir war dieses Buch viel zu wenig tiefgehend.
o.k. der Autor versucht, die letzten Monate des Apostels Paulus nachzuzeichnen. Paulus wird aus der Perspektive seines Sklaven Titus beschrieben. Zusätzlich schafft der Autor eine Sekundärhandlung, die Liebesgeschichte zwischen seinem Sklaven Titus und dem Sklavenmädchen Thalita, die wohl dazu dient, durch den Handlungsstrang, der Thalita gewidmet ist, den Götzenkult der damaligen Zeit zu beschreiben. Dies ist dem Autor recht gut gelungen, indem er sich auf einige der antiken Götter konzentriert. Auch das wirtschaftliche und gesellschaftliche Umfeld wird für einen Menschen mit Vorbildung ausreichend konkret gezeichnet.
Bruchstückhaft bleibt das Bild des Paulus, der für meinen Geschmack schlecht wegkommt. So musste Paulus sicherlich seinen Lebensunterhalt verdienen, aber dass er mit mangelbehafteter Ware handelte, was bringt dieses Bild? In einem seiner Briefe nimmt er zur Ehe Stellung und schreibt, dass ihm die Enthaltsamkeit gegeben sei; der Autor webt Anspielungen auf Homosexualität ein - unter den antiken Griechen wohl eine geschätzte Art der Liebe, Paulus war aber Jude. Das stiftet doch alles eher Verwirrung.
Diese wird komplett, wenn es um die Reden des Paulus und speziell seine Streitgespräche in den Gemeinden und mit anderen Aposteln geht. Hier wird zum Teil ohne Grund gestritten, häufig wird mitten im Streit abgebrochen, weil der eine oder andere Kontrahent die Szene verlässt; alles ein wenig schwer nachvollziehbar. Die eigentliche Botschaft des Paulus wird nicht wirklich herausgestellt.
Bei allem Respekt vor der Arbeit des Autors: es gibt bessere Bücher zu diesem Thema.
Carlo Menzinger auf amazon.de